04.08.2015

Warum Amerikaner in die deutsche Provinz pilgern

Erst vor einem Jahr ist das Rechenzentrum Biere in Betrieb gegangen. Ein Geheimtipp ist es trotzdem nicht mehr. Ebenso wie deutsche Industrieprodukte hat auch "IT made in Germany" weltweit einen guten Ruf.

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Das kleine 2000-Seelen-Städtchen Biere ist nicht der Nabel der Welt. 25 Kilometer von Magdeburg entfernt und umgeben von den unendlichen Ackerflächen Sachsen-Anhalts ist Biere eine typische deutsche Kleinstadt, in der der Briefträger vermutlich alle Einwohner noch persönlich kennt. Gerade dieser kleine Ort ist im Juli 2014 ins mediale Scheinwerferlicht geraten.

Was war passiert? Das neue Hochleistungsrechenzentrum der Deutschen Telekom ging in Betrieb. Ein Bau, der so angelegt ist, dass er in der vollen Ausbaustufe das größte Rechenzentrum Deutschlands sein wird. Selbst im technikaffinen Deutschland steht ein solches Investitionsprojekt nicht ständig auf der Tagesordnung. Daher rollten an diesem Tag untypischerweise dunkle Limousinen durch die Straßen von Biere. Darin saßen prominente Gäste, die gemeinsam als "Geburtshelfer" den roten Knopf für den Start ins digitale Leben drückten: Tim Höttges, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Telekom AG, Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel und der Ministerpräsident von Sachsen-Anhalt, Rainer Haseloff. In den Eröffnungsreden regnete es Superlative auf den aus 34.000 Tonnen Stahl und Beton erbauten Koloss: "modernstes, größtes und grünstes Rechenzentrum Deutschlands".

Theorie und Praxis

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Und jetzt ein Jahr später - wie sieht's aus in Biere? Wo hat's geruckelt und gab's irgendwelche Kinderkrankheiten? Diese Frage kann Dirk Kabelitz, Leiter des Data Center Biere, beantworten. Kabelitz schüttelt den Kopf: "Das Rechenzentrum ist über Jahre bis ins kleinste Detail gewissenhaft geplant worden. Davon profitieren wir jetzt mit einem absolut zuverlässigen Betrieb. Als im letzten Winter in ganz Biere der Strom ausfiel, war unser Rechenzentrum nicht betroffen. Wir haben glücklicherweise ein eigenes, nur für uns gebautes Umspannwerk, das seine Leistung direkt aus dem Hochspannungsnetz bezieht. Solche Designentscheidungen aus der theoretischen Projektphase zeigen jetzt ihre Wirkung."

Apropos Strom. Für den Fall, dass doch einmal ein Stromausfall unmittelbar im Rechenzentrum auftreten sollte, stehen im Keller der IT-Fabrik zwölf große Dieselgeneratoren bereit, um sofort anzuspringen und den Betrieb aufrechtzuerhalten. "Das sind extrem leistungsstarke Generatoren, die normalerweise im Schiffbau verwendet werden", sagt Kabelitz. "Es ist gut, dass wir sie in der Hinterhand haben. Aber bisher haben wir sie noch nicht gebraucht und ich hoffe, das bleibt so." Wie sieht also das Fazit nach dem ersten Betriebsjahr aus? Er muss nicht lange überlegen. "Das ist ein phantastischer Bau, technisch absolut 'state of the art'. Jetzt packen wir ihn immer weiter voll und steigern den Auslastungsgrad kontinuierlich."

Besuche aus Übersee

Auf den Feldern rund um das Rechenzentrum wachsen Korn und Gemüse. In dem Bau mit der grauen Fassade "wächst" SAP. Hier produziert T-Systems für DAX-Konzerne Abrechnungen und verarbeitet Daten internationaler Unternehmen. In der digitalen Welt hat Biere nicht lange gebraucht, um sich auch über Deutschlands Grenzen hinaus einen Namen zu machen. Johannes Krafczyk hat die Planung und den Bau als Projektmanager maßgeblich begleitet. Doch auch nach der Inbetriebnahme hat er noch regelmäßig im Rechenzentrum zu tun. "Die Amerikaner lernen gerade, wo auf der Weltkarte Biere liegt", sagt Krafczyk lachend. Immer wieder führt er interessierte Vertreter großer us-amerikanischer Unternehmen durch die IT-Fabrik.

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Wer als Amerikaner Software an europäische Geschäftskunden verkaufen will, kommt nicht umhin, seine Produkte aus europäischen Rechenzentren heraus anzubieten. Besonders gefragt sind deutsche Rechenzentren – dem strengen deutschen Datenschutz sei Dank. "Wir sind da grundsätzlich in einer guten Position", erklärt Krafczyk. "Mit einem Projekt wie Biere im Rücken können wir unsere Stellung weiter stärken."
Nicht nur wegen des Datenschutzes macht Biere bei den amerikanischen Besuchern Eindruck. Auch die Datensicherheit überzeugt. Der als "Fort Knox für Daten" angepriesene fensterlose Bau ist ohne Außeneingänge und ähnlich wie bei mittelalterlichen Ritterburgen nur über eine Hochbrücke zu erreichen. Im Außenbereich wird er durch dezent verteilte, aber wirkungsvolle Schutzmaßnahmen wie unter anderem Erdwälle zum Schutz vor durchbrechenden Fahrzeugen, gestaffelte Zaunsysteme und Überwachungs- und Wärmebildkameras geschützt. Der IT-Neubau ist zu einem wichtigen Argument in Verhandlungen um Geschäftsbeziehungen mit amerikanischen Anbietern geworden.
Sollte Biere durch die transatlantischen Beziehungen schneller als vorgesehen ausgelastet sein, ist auch das kein Problem. Die Planer haben sich vorsorglich die angrenzenden Flächen reserviert, auf denen die nächsten identischen Module für die IT-Produktion entstehen können. Biere hat sich im ersten Jahr gut gemausert und kann ungestört weiter wachsen. In diesem Sinne: Happy birthday, Fort Knox!

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